Wichtige Informationen zur Taizéfahrt
Termin: Erste Pfingstwoche (Ferien)
Kosten: 150 € (130 € ab 35 Teilnehmer/-innen) für Hin- u. Rückfahrt im Reisebus,
Gruppenversicherung sowie Unterkunft und Verpflegung in Taize, zzgl. Taschengeld.
Zielgruppe: Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 30 Jahren (ab 9. Klasse)
Versicherung: Alle Teilnehmer sind versichert. Der Abschluss einer eigenen
Auslandsreisekrankenversicherung wird dennoch empfohlen.
Mitnehmen: Schlafsack & Isomatte; eine Packliste gibt es am Vortreffen.
Begleitung: Die Fahrt wird begleitet durch jeweils einen männlichen & weiblichen
verantwortlichen Jugendleiter (mindestens eine Lehrkraft der Schule)
Vortreffen: Ein Termin wird noch vereinbart und spätestens mit der Anmeldebestätigung
verschickt.
Ansprechpartner an der Schule: Karin Schöne, Eva-Maria Obermeyer
Koordination und Ansprechpartner der Diözese Bamberg: Björn Scharf (BDKJ/EJA Bamberg)
Alle Schülerinnen - egal welcher Konfession, Religion oder ohne Religionszugehörigkeit -
sind herzlich eingeladen, an diesem spirituellen Abenteuer teilzunehmen.
Hier noch der typische Tagesablauf:
| 08.15 | Morgengebet, anschließend Frühstück |
| 10.00 | Einführung durch einen Bruder der Communauté, anschließend Zeit zum persönlichen Nachdenken bzw. Gespräch in Kleingruppen |
| 12.20 | Mittagsgebet, danach Mittagessen |
| 14.00 | Einüben der Gesänge, am Nachmittag: Gesprächsgruppen bzw. Mithilfe bei den praktischen Arbeiten (z.B. putzen) |
| 17.15 | Tee |
| 17.45 | Workshops (ab Dienstag) |
| 19.00 | Abendessen |
| 20.30 | Abendgebet |
| 23:30 | Nachtruhe |
Am Freitagabend anschließend an das Abendgebet: Gebet vor dem Kreuz.
Taizé – ein Hügel vieler offener Geheimnisse
„Dem Himmel so nah“ - Oft gehört, aber eigentlich nie so richtig darüber nachgedacht.
Ja, was soll das überhaupt, wie kann man denn dem Himmel nahe sein, was ist denn der
Himmel eigentlich und sowieso, so ein Blödsinn!
Wortfetzen gehört, negativ beurteilt, weggeschoben, bloß keine Zeit vergeuden!
Nächstes Stichwort: „Zeit“. Wann hat man denn die schon mal?! Also ich selbst
ziemlich selten, wo soll man sie sich auch nehmen, ständig ist irgendwas zu tun!
Im Himmel? - Oh, dieses Wort wollte ich ja nicht mehr benutzen, also vielleicht
besser im Tod?!
Zweifelsohne: ziemlich zweifelhafte Gedanken.
Taizé – ein Ort mitten in Burgund, Frankreich, auf einem Hügel, ein Areal, das
für über 5000 Menschen bewohnbar gemacht wurde - zumindest auf Zeit.
- Schon wieder eines dieser blöden Worte! Aber „auf Zeit“ hat ja nichts mit „Zeit
haben“ zu tun, obwohl man die dort hat. Wann kommt man schon dazu, einfach mal
dazusitzen und nichts zu tun, nichts zu hören, nichts zu erleben, außer sich selbst.
Worüber denkt man denn nach, wenn man einfach schweigt, oder singt oder einfach
nichts tut? Über das Leben? Ich muss gestehen, bevor ich dort war, wusste ich auf
keine dieser Fragen eine Antwort, es war auch keine wirklich realistische,
bemerkenswerte Situation für mich. Selbst zehn Minuten waren eine viel zu lange Zeit,
um alle Dinge „abzuhaken“.
Und dann diese geschwollenen Kommentare: „Da kommt man zu sich!“, „Das tut total
gut!“ – so ein Blödsinn. Schon wieder Wortfetzen gehört, negativ beurteilt, weggeschoben.
Doch dann habe ich es selbst miterlebt.
Taizé – ein Kloster inmitten von Hügeln, Feldern, Bauernhöfen und heruntergekommenen
Dörfern. Absolute Ruhe ringsherum. Eine riesige Kirche, (mehr oder weniger) überdachte
Essensplätze, große, an den Zirkus erinnernde Zelte, ein Glockenturm und die
Unterbringungen für die Besucher. Mein erster Gedanke war „Mist, was machen wir,
wenn’s regnet?! Man ist ja ständig draußen! Na das kann ja heiter werden…“.
Abgesehen davon, dass es nicht viel geregnet hat: Toleranz gegenüber allem ist
wohl eines der Schlagworte der Gemeinschaft – und da gehört das Wetter eben auch
dazu! „Das Beste daraus machen“ ist das, was zählt! Und ehrlich gesagt: Wenn man
mit 1000 anderen Jugendlichen im strömenden Regen für das Mittagessen ansteht und
alle um einen herum lachen, dann hat das schon wieder etwas sehr „cooles“ an sich!
Vor allem dann, wenn man plötzlich feststellt, dass das Regenwetter uns noch mehr
zusammenrücken lässt, dass Bäume den Regen verdammt gut abschirmen können und dass
das Wetter wirklich ein verdammt interessantes Gesprächsthema sein kann – vor allem
dann, wenn Finnen, Schweden, Italienern, Franzosen und Deutschen „das Wasser (fast)
bis zum Hals steht“.
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Noch so ein Wort ist Vertrauen. Die Brüder der Gemeinschaft lassen Jugendliche
ab 15 Jahren dort einfach „(mit-)laufen“, lassen sie eigenverantwortlich kochen,
Essen austeilen, „bewachen“, indem Day- und Night-Guards bestimmt werden, putzen
und in Gesprächsgruppen reden. Sprechen über Gott und die Welt. Im wahrsten Sinn
des Wortes. Über die eigene kleine Welt, über Probleme, über die schönen und schlimmen
Seiten des Lebens, über den ganz persönlichen Glauben. Nur zur Bibeleinführung eines
Bruders bekommt man mal Einen zu Gesicht (zumindest bewusst, denn Zivilkleidung ist
außerhalb der Gebete „Pflicht“) außerdem noch in den dreimal täglich stattfindenden
Andachten – Früh, Mittag, Abend versammelt sich alles Menschliche in der Kirche.
Singt, hört zu, betet, schweigt.
Heute kaum vorstellbar, dass es Menschen schaffen, einfach mal die Klappe zu
halten. Und dann auch noch so viele! Die 2500 an Pfingsten waren ja noch wenig –
im Sommer pilgern ca. 6000 Jugendliche, Familien und Erwachsene in das von Frère
Roger 1940 gekaufte Kloster, das ursprünglich mal ein ganz einfaches, heruntergekommenes
Einfamilienhaus war. Gekauft, um Menschen zu helfen, ihnen Unterschlupf zu bieten,
ihnen in einer Zeit der Verfolgung Hoffnung zu geben. Diesem Motto verschrieben
sich immer mehr junge Männer aus aller Welt – Konfession und Hautfarbe egal:
Hauptsache es kümmern sich alle weiterhin um Frieden, Versöhnung und Gemeinschaft.
Seit 2005 lebt Frère Roger nicht mehr – erstochen von einer psychisch kranken Frau.
Doch trotzdem oder gerade deshalb lebt seine Botschaft, philosophisch würde man sagen,
sein Geist stärker als eh und je weiter, in den Brüdern und in den Besuchern.
Eine Botschaft, ähnlich einer Insel in der heutigen Zeit. Seid friedlich, lasst euch
leben, wie ihr seid, kümmert euch endlich mal um euch selbst! Eine Woche lang geborgte
Freiheit, beim Beten, beim sich zuhören, beim stundenlangen Sitzen in der Kirche –
so oft und solange man selbst, ganz persönlich, möchte.
Und dann hat man halt einfach mal Zeit, kann einfach das tun und lassen, was man selbst,
ganz persönlich, möchte – ohne jemanden zu behindern und stets auf die Gebetszeiten
bedacht. Zeit, so kostbar und wertvoll, doch so unbegreiflich und kurzlebig, dass es
für viele zu unvorstellbarem Raum geworden ist. Ein Raum, den wir uns viel zu selten
nehmen, erleben, uns viel zu selten gönnen. Ja, vielleicht ist dieser Raum, diese
Zeit für uns ein klein Bisschen des Himmels, den wir uns wünschen, im tiefsten
Inneren brauchen, um zu der eigenen Persönlichkeit zu finden. „Sex sells“,
„Geiz ist geil“, wie oft sind wir gefangen in den Fesseln von Medien,
Oberflächlichkeit und Konsumrausch. Diese eine Woche einfach mal du selbst sein,
ohne dass wieder einer meint, dich kritisieren zu können oder sogar zu müssen. Es
ist egal, wie du aussiehst, was du tust, wem du deine Leidenschaft widmest. Mund
halten oder mitreden – wie du willst, sei bloß ganz du selbst! Gelebte und so herrliche
Utopie.
Moses holte die zehn Gebot seinerzeit vom Berg Sinai, Gipfelkreuze stehen ganz
oben auf den höchsten Bergmassiven. Viele Menschen denken und glauben ganz fest
daran, auf einem Berg sei ihnen Gott ein Stückchen näher, vielleicht auch etwas wie
der Himmel.
Der Himmel, möglicherweise ein so seltener Ort der Ruhe und gleichzeitig der
Ausgelassenheit, ein Ort der Toleranz und der Gemeinschaft, ein bisschen mehr
wirklich uneingeschränkte Freiheit. Und eben schlicht und einfach ein bisschen
mehr Zeit.
Keiner der Besucher von Taizé würde so vermessen sein und behaupten, so etwas wie
ein zehn-Gebote- oder Verkündigungs-Revival erlebt zu haben. Aber vielleicht war
der Ein oder Andere in seinen sechs Tagen auf dem Hügel in Frankreich mit seiner
Zeit, seiner Toleranz, seiner Freiheit doch „dem Himmel ein Stückchen näher“, so
groß dieser Blödsinn auch sein mag!
(mit freundlicher Unterstützung von Katharina Leniger, Teilnehmerin an der Taizé-Fahrt 2011)