Man kann nicht nicht konsumieren
„Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und
die Rechtssprechung sind an Gesetz und Recht gebunden“ (Rechtsstaatlichkeit). So
bestimmen es die Absätze (1) und (3) in Artikel 20 des Grundgesetzes. An keiner
Stelle des GG findet sich jedoch ein Hinweis auf eine bestimmte Wirtschaftsordnung.
Dem Demokratiebegriff, der eine freiheitliche Grundordnung (Grundrechte) beinhaltet,
kann aber in logischer Konsequenz nur eine Gestaltungsform der Marktwirtschaft
zugeordnet werden. Im Rahmen dieser Wirtschaftsordnung ist die freie Entfaltung der
Persönlichkeit (Art. 2 GG) in Form der Konsumfreiheit gewährleistet. Konsum resultiert
aus Bedürfnissen, die die Grundlage der wirtschaftlichen Betätigung sind.
Das Verständnis des Prozesses der Güterbereitstellung in einer hoch differenzierten
Marktwirtschaft erfordert das Verfügen über ökonomische Kompetenzen. In vielen
Untersuchungen wurde festgestellt, dass Jugendliche erhebliche Lücken in diesem Bereich
aufweisen. Die Beseitigung dieser Lücken kann jedoch nicht alleine von der Schule
bewältigt werden. Vielmehr ist es erforderlich, dass die Erwachsenen im Umfeld der
Jugendlichen die Bereitschaft zum Verstehen wirtschaftlicher Zusammenhänge fördern.
Die Distanz zum Fach Wirtschaft/Recht erklärt sich wahrscheinlich aus der Vorstellung,
während der Schulzeit noch nicht in wirtschaftliche Prozesse eingebunden zu sein.
Jugendliche und Kinder sind jedoch in der Konsumgesellschaft eine umworbene
Käuferschicht, da sie über Einnahmen in Form von Taschengeld, Geldgeschenken und aus
Jobs und somit über Kaufkraft verfügen. Dadurch werden sie mit einer Vielzahl
wirtschaftlicher Fragen konfrontiert, als da z.B. sind: Notwendigkeit von Geld,
überlegter Umgang mit Geld, Geldanlageformen, Sachmängelansprüche, arbeitsrechtliche
Fragen, Schuldenfallen.
Im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten gymnasialer Wirtschaftsausbildung wird
versucht, das notwendige Grundgerüst zum Verständnis wirtschaftlicher Inhalte zu
vermitteln. Bei vielen Schülerinnen unseres Gymnasiums ist jedoch, möglicherweise
bedingt durch die sozialwissenschaftliche Ausrichtung, die Einsicht in die Notwendigkeit
fundierter wirtschaftlicher Grundkenntnisse noch nicht in ausreichendem Maße vorhanden.
Diese Einstellung zu ändern ist das Ziel unseres pädagogischen Einsatzes.
Jürgen Wiederer
Fachleiter WR